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Vom Seimberg nach Planica

22.02.2010 09:01 von Steven Peter

Severin Freund und Jan Matura Sieger auf der Inselbergschanze

Nur Fliegen ist schöner als ein COC-Springen in Brotterode
Von Gert Hellmann

Brotterode - "Skispringen zum Anfassen" - der Slogan des Sprechers in der Werner-Lesser-Skiarena trifft den Nagel auf den Kopf. So nah wie die insgesamt 7000 Zuschauer den Springern bei den beiden rundum gelungenen Continentalcup-Wettbewerben auf der Inselbergschanze gekommen sind, ist das wohl bei keinem anderen vergleichbaren Skispringen möglich. Die 73 Athleten aus 15 Nationen fanden das fast schon familiäre Fluidum auch richtig gut und bedankten sich dafür mit fleißigem Autogrammschreiben, Pose-Stehen für Fotos oder kurzen netten Gesprächen. Allen voran Severin Freund vom WSV Rastbüchl, Sieger des Samstagspringens, und der Tscheche Jan Matura, der gestern gewann.

Für viele Zuschauer kam der Sieg von Severin Freund überraschend, für die Insider nicht. Hatte doch der 21-Jährige schon einige Weltcuppunkte gesammelt. Dass er allerdings im ersten Durchgang mit 119,5 Metern den weitesten Sprung beider Wettbewerbe stand und damit den Schanzenrekord nur um vier Meter verpasste, überraschte den hoch aufgeschossenen Athleten selbst etwas: "Sicher hatte ich da etwas Glück mit der Vorderluft. Meine anderen Sprünge dieses Wochenendes waren aber auch stabil. Ich sollte mich damit für die noch kommenden Weltcups empfohlen haben." Nur einen Meter kürzer als Freund sprang am Samstag bei strahlendem Sonnenschein der Österreicher David Unterberger, was ihm Platz zwei vor Landsmann Michael Hayboeck einbrachte.

Makellos präpariert
In einem Punkt waren sich alle einig: Das ist eine nicht leicht zu springende Schanze, die aber makellos präpariert ist. "Wenn man gute Form hat, gewinnt man auf jeder Schanze", sagte der überglückliche Jan Matura nach seinen gestrigen Siegsprüngen von 112 und 115,5 Metern. Der kleine Mann hatte bereits am Vortag mit Platz fünf seine gute Form angedeutet. Für den 30-Jährigen sind diese Platzierungen enorm wichtig, denn genau wie Roar Ljoekelsoey, gestern Zweiter und am Samstag Vierter, hofft auch er, sich wieder für den Weltcup empfohlen zu haben. Ljoekelsoey, der zwar schon dreimal Skiflug-Weltmeister war, aber noch nie in Brotterode sprang, war besonders angetan vom Fluidum am Seimberg: "Unglaublich, wie viele Menschen hier zu einem COC-Springen kommen. Noch mehr freue ich mich aber über meine gelungenen Sprünge. Ich glaube, dass ich damit zurück ins norwegische Weltcupteam gefunden habe. Ich will mich unbedingt für das Skifliegen auf meiner Lieblingsschanze in Planica qualifizieren."

Für eine faustdicke Überraschung sorgte der Pole Rafal Sliz. Nachdem er am Vortag nur 17. geworden war, stand er im gestrigen Finale mit 116 m die beste Tagesweite, was ihn auf den Platz drei katapultierte. Dagegen fiel der Österreicher Manuel Fettner, nach dem 1. Durchgang mit 113 m vorn, noch auf Rang fünf zurück.

Ähnlich erging es Julian Musiol (23, SCM Zella-Mehlis). Er hatte gestern mit seinem 110-m-Sprung im 1. Durchgang für den einzigen Thüringer Lichtstrahl am leicht bewölkten Brotteroder Himmel gesorgt.

Musiol bester Thüringer
Mit 105 m im Finale fiel der sympathische Springer jedoch von Rang sechs auf den elften Platz zurück. Das war dennoch die beste Thüringer Platzierung beider Tage. Musiols Trainingsgefährte Stephan Hocke sprang artig mit und erzielte am Samstag mit 109 m seine Bestweite. Mit den Tagesplatzierungen 20 und 18 blieb der Team-Olympiasieger von Salt Lake City unter den Erwartungen der Zuschauer. Danny Queck vom WSV 08 Lauscha kam mit der Inselbergschanze nicht zurecht, erreichte aber an beiden Tagen das Finale. Florian Horst (SV Biberau) gelang das nur am Samstag. Jörg Ritzerfeld (WSV Oberhof 05) erreichte am Samstag mit 105 m das Finale nicht und trat gestern nicht mehr an.

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